Altkatholisches Forum Bonn 28. bis 31. August

Endlich, nach zwei Jahren, trafen sich im Rahmen des Altkatholikenkongresses in Bonn verschiedene interessierte Laien wieder zum Altkatholischen Forum.

Teilnehmenden des Forums 2022 auf dem Alten Friedhof. Hinten v. l.: Othmar Imhof, Stefan Günter, Johannes Reintjes, Stefan Wedra, Tonie Maier, Christa Kurbjuweit, Theresa Hüther, Markus Lund, Esther Blümle, Ralph Guschmann, Margarete Krammer, Leo Weiss. Vorne v. l.: Monika Lund, Blanko, Eveline Jansen, ­Elisabeth Burri, Michael Nutz
Foto: Christoph Janser

Wir freuten uns auf das Treffen, konnten wir uns in der letzten Zeit doch nur digital, quasi im luftleeren Raum, austauschen. Diese gemeinsamen Gespräche werden vor allem von Altkatholiken und Altkatholikinnen geschätzt, die in der Diaspora leben und den persönlichen Kontakt zu anderen Altkatholiken im Alltag vermissen. Gerade für sie ist der Austausch auch über Gemeinde- und Landesgrenzen hinaus wertvoll. So nahmen 17 Personen aus den Niederlanden, Deutschland, Österreich und der Schweiz am Treffen teil, um miteinander Fragen unseres Glaubens zu beraten, zu feiern, nachzudenken und nach Antworten zu suchen. Dies war nicht immer nur einfach; ein erstes Problem bildete nur schon die sprachliche Verständigung, weil nicht alle Teilnehmenden genügend deutsch verstanden.

Gegenwart Gottes spüren und feiern

Beim gemeinsamen Feiern der Gottesdienste traten solche Schwierigkeiten jedoch in den Hintergrund. Die Kirche St. Cyprian in Bonn und ihre Katakomben bildeten den idealen Ort, um neben den Beratungen auch die Gegenwart Gottes spüren und feiern zu können.

Thematisch befassten wir uns mit Fragen der altkatholischen Ethik. Gibt es eine solche, und wo ist sie in unserem Denken und Erfahren wahrnehmbar? Eine ganze Wand voller Input-Zettel wollte nach Kategorien sortiert werden und gab Stoff für Gespräche zu immer neuen Aspekten. Dazu kam das Impulsreferat von Theresa Hüther, Mitarbeiterin am altkatholischen Seminar in Bonn, welches uns etwa die Schwierigkeit aufzeigte, eine altkatholische Ethik von anderen Ausprägungen von Ethik abzugrenzen.

Auf einer ausgedehnten Exkursion in den alten Friedhof von Bonn begegneten wir den Gräbern von Persönlichkeiten, die früher unsere Kirche mitgeprägt und durch ihr Wirken quasi den Grundstein für eine romunabhängige katholische Ethik gelegt haben, welche sich bis heute auf unsere Kirche auswirkt. Sie sind Vorbilder dafür, in der heutigen Zeit im Einklang mit dem eigenen Gewissen zu handeln und die Gesellschaft – auch gegen Widerstände – zu formen.

Unsere Diskussionen zur Ethik mit dem Wirken dieser Menschen zu verbinden und solches dann für unser Leben fruchtbar werden zu lassen: Dies war vielleicht die grosse Herausforderung unseres Forums. Als Fazit lässt sich etwa der Wahlspruch des ersten deutschen altkatholischen Bischofs zitieren: Alles, was nicht aus Überzeugung und im Glauben getan wird, ist Sünde. Mein persönliches Anliegen ist es, die Verantwortlichen in unseren Kirchen zu bitten, ihr Augenmerk auf Angebote zur Bildung ihrer Gemeindeglieder zu richten, vielleicht vor allem der Herzensbildung. Denn es ist nicht damit getan, das Werk Gottes zu verwalten, es will auch erhalten und erneuert werden.

Am Schluss gilt es, den Organisatoren des Altkatholischen Forums, Stefan Wedra und Christoph Janser, für ihren grossen Einsatz herzlich zu danken, ebenso allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die das Forum so fruchtbar machten.

Othmar Imhof

Der spannende Vortrag von ­Theresa Hüther zur altktholischen Ethik lud zu Diskussionen ein.
Foto: Christoph Janser