eForum #12: „Armut“

Das eForum findet statt am Freitag, 11.06.2021 von 19:30 bis ca. 21:00 Uhr.
Die Teilnahmemöglichkeiten via Telefon zu diesem eForum finden sich hier.

Moderation: Michael Nutz und Markus Lund

https://www.barfuss.it/story/armes-s%C3%BCdtirol


Armut hat viele Facetten

Armut, ein großes Thema –  welches wir in 90 Minuten nur  anreißen können. Sinnvoll erscheint der Ansatz über die eigene Betroffenheit:

Welche Erfahrungen habe ich selber mit Armut? Sei es als Betroffene(r) oder als Helfende(r); welche Erfolgsstorys oder Enttäuschungen erlebte ich dabei? Welcher Umgang ist mit der Armut, den Betroffenen geboten und wann ist/wird die Bedienung einer geäußerten oder wahrgenommenen Bedürftigkeit wirklich Hilfe?

Eine Definition von Armut:

Unsere Gesellschaft hat erkannt und definiert, dass arm ist, wer über weniger als 60% des Durchschnittseinkommens verfügen kann.

Armut, eine Alltagsbegegnung: Die Bedürftigkeit vieler Menschen begegnet uns täglich in vielfältiger Form. Der Zulauf bei den „Tafeln“ steigt steig an. Immer häufiger wird über Altersarmut berichtet. Mehr als zwei Drittel der alleinerziehenden Mütter ist auf staatliche Hilfe angewiesen. Im Niedriglohnsektor sind viele auf Zweitjobs angewiesen, um über die Runden zu kommen Die Auswirkungen der Pandemie-Einschränkungen haben viele Menschen zusätzlich in finanzielle Schwierigkeiten gebracht.

Ich denke da zum Beispiel an die Flaschensammler*, die vor und nach den Bundesligaspielen vor den Fußballstadien die Pfandflaschen einsammeln und davon ihr Hartz IV-Einkommen merklich aufbesserten. Keine Spiele mit Fans bedeuten hier nun keine Pfandflaschen… und damit kein Zubrot für diese Menschen… Und so begegnet uns täglich Armut. Sei es ein Spendenaufruf in den Printmedien, im Internet, vielleicht direkt von NGOs, von den kirchlichen Organisationen, ein Spendenaufruf im Gottesdienst oder – ganz konkret – der hingehaltene leere Kaffeebecher am Straßenrand. Die Bedürftigkeit begegnet uns vielleicht auch in Form einer konkreten Anfrage aus dem Bekanntenkreis.

Armut wird in unserer Gesellschaft zwar auch dadurch thematisiert, weil geregelt ist, wann jemand der armen oder der reichen Bevölkerungsschicht angehört, aber es stellt sich die Frage, ob das Thema Armut in unserer Gesellschaft überhaupt hinreichend beachtet wird?

Was tue ich, wenn mir Armut begegnet? Wie gehe ich damit um?

Wie soll ich z.B. damit umgehen, wenn mich ein scheinbar gut situierter Kleinunternehmer aus meinem Bekanntenkreis direkt anspricht und um Geld bittet? Oder wie soll ich damit umgehen, wenn ich auf meinem Weg durch die Straßen leere Kaffeebecher hingehalten bekomme, mit der unaufdringlichen, aber doch offensichtlichen Bitte um etwas Kleingeld? Und wie, wenn mir ein Mensch mit Pappschild seine hohle offene Hand entgegenstreckt? Neben der wahrnehmbaren und offensichtlichen Armut höre ich immer wieder von der unsichtbaren Armut.

Helfen, aber wie? Informieren, Geben, Leihen, Zuhören, Ratschläge geben, Dasein.

Als wohlwollender Mensch bin ich/ fühle ich mich mit konfrontativen Situationen gelegentlich überfordert. Oft fehlt mir auch die Zeit für die Suche nach zielführenden Abhilfemaßnahmen; habe meine eigenen Probleme, die mich voll in Beschlag nehmen.

Die, die helfen wollen, können eine Orientierung auf diversen Internetseiten der karikativen und diakonischen Hilfsorganisationen finden. Auch die Hilfe zur Selbsthilfe erscheint grundsätzlich eine sinnvollere Hilfe. Hier darf/kann man eine Entwicklung erwarten, die den Betroffenen aus dem Teufelskreis der Armut heraus helfen kann. Den Punkt zu erkennen, an dem man zielführend ansetzen kann, ist aber im Einzelfall manchmal nur schwer erkennbar. Soll man deswegen aber Notleidenden nicht helfen? Der Begriff des Almosens kommt dabei in den Sinn. Das Eine tun und das Andere nicht lassen?

Grenzen des Engagements

Doch wo darf (evtl. muss) meine Bereitschaft zur Hilfe enden? Obwohl Menschen wie Mutter Theresa, Franz von Assisi, Valdes (Waldenser) und viele andere diese Frage kannten, schien ihr Engagement fast endlos/unermüdlich. Vielleicht war Armut für sie ein gewisser selbstverständlicher Bestandteil des Alltags, die sie einfach ertragen haben?

Welche Handlungsmaxime ergibt sich für Menschen, die sich zu den Christen zählen? Die Grenzen des Engagements sind spätestens jedoch dann überschritten, wenn Drückerkolonnen oder unehrliche Elemente im Spiel sind, die schamlos die Hilfsbereitschaft ausnutzen. Aber auch da ist es nicht einfach dies zu erkennen oder ohne Gewissensbisse zu beurteilen. (Wie definieren von Not geplagte ihre Ehrlichkeit in solchen Situationen?).


Viele Fragen für unseren Austausch im eForum am 11.06.2021.

Bringen Sie gerne ihre Erlebnisse, eigene Erfahrungen und Gedanken zu den obigen Impulsen und Fragen mit.

Wir freuen uns auf Sie/auf Euch!


Nachfolgend ein paar weitere Internetquellen: