eForum #9: „Sterben/Sterbeprozess/Übergang vom Leben in den Tod“

Das eForum findet statt am Samstag, 06.03.2021 von 18:00 bis ca. 19:30 Uhr.
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Wir werden uns zu diesen Themen austauschen:

  • Sterben
  • Sterbeprozess
  • Übergang vom Leben in den Tod

Tauschen wir uns gemeinsam aus zu diesem Thema.

Moderation: Markus Lund

Impulstext:

Sterben/Sterbeprozess/Übergang vom Leben in den Tod

Bei meinen Recherchen zu dieser Thematik bin ich auf einen alten Brauch gestoßen, mit dem ich die Zusammenstellung des Impulstextes starte:

Nach Eintritt des Todes war es lange Zeit üblich für den Verstorbenen im Sterbezimmer eine Kerze zu entzünden und ein Fenster zu öffnen, damit die Seele davon fliegen konnte…

Der Prozess des Sterbens ist die fortschreitende Abnahme der Vitalfunktionen von Herzschlag und Atmung bis hin zum vollständigen Erliegen. Diese Sterbephase kann bis zu 72 Stunden dauern, deshalb spricht man vom allmählichen Hinübergleiten in den Tod, in einen anderen Seinszustand.
Das Wissen über diesen Prozess ist wenig verbreitet, da der Tod an sich immer noch eines der letzten Tabus unserer Gesellschaft ist. Es herrscht irrtümlich die Meinung vor, dass das Sterben an sich ein Prozess großer Schmerzen sei. Wissenschaftlichen Beobachtungen folgend ist dies nicht so. Der Sterbende gleitet allmählich in den Tod hinüber. Zunächst kehrt sich die Wahrnehmung nach innen, der Körper fährt dabei den Stoffwechsel herunter und das Bedürfnis nach Essen verschwindet (später auch das Durstgefühl).

Viele Menschen wünschen sich, in der Stunde des Todes nicht alleine zu sein. Beobachtungen am Sterbebett lassen aber darauf schließen, dass es den Sterbenden leichter fällt sich vom Leben zu lösen, wenn sie alleine sind. Dies könnte damit zusammen hängen, dass nahe Angehörige den Rückzug akzeptieren, den Sterbenden gehen lassen müssen; mitzuteilen, dass es in Ordnung ist, wenn sie/er geht – trotz der Verlustangst und Trauer.

Das „Loslassen“ (auf beiden Seiten/einmal das „Gehen-lassen können“ auf der anderen Seite. Das Loslassen-können scheint eine immense Bedeutung zu haben. Loslassen hat was mit Ent-Bindung, Ablösung, Aufbruch und auch Befreiung zu tun.

„Die Angst vorm Loslassen beinhaltet die Angst vorm freien Fall.“ (Esther Klepgen)

„Loslassen“: Das Verständnis und die Bedeutung sind in unserer Kultur des Festhaltens und Bewirken-Wollens mit Verlust assoziiert und dies löst oft unbewusst Widerstand, Abneigung und Angst aus, weil wir es so gelernt haben, so konditioniert sind.
Wir müssen wieder begreifen, das „Loslassen“ bedeuten kann, sich von den Ketten des Verstandes und des eigenen Egos zu befreien. Vertrauen auf die eigene innere Intuition und sich vom Unter-/Überbewusstsein leiten lassen, den richtigen Weg aufzeigen lassen, seine Angst und sein Ego überwinden und dem Lauf der Dinge zu vertrauen.

  • Wie stehe ich selbst zum „Loslassen“ ? Habe ich Vertrauen…Vertrauen in Gott?
  • Habe ich Furcht/oder Angst vorm Sterben/vorm Sterbeprozess?

Sterbehilfe – ein schwieriges Terrain und viele Fragen:

Wem gehört mein Leben? Gott? Der Gesellschaft? Mir selbst?

Was ist richtig und was ist falsch? (Was ist gut und was ist böse?)

Viele Antwortmöglichkeiten mit gegensätzlichen Aussagen oder Überschneidungen, unterschiedliche Perspektiven, Beurteilungen und Erkenntnissen!

Werden wir diese Fragen beantworten können?

Denken wir an den Baum der Erkenntnis im Paradies – die verbotene Frucht der Erkenntnis! Ist hier nicht ein friedlicher Dissens gleichermaßen abzuwägen? So wie sich die Freiheit und die Liebe sich gegenseitig bedingen, ermöglichen und begrenzen!

Die freie Selbstbestimmung ist ein hoher Wert, der aber auf den Schutz durch die Gemeinschaft angewiesen und daher von einander abhängig ist. Das Gebot Leben zu bejahen, steht dem nicht zwingend entgegen… Leben, was heißt das?

Leben heißt auch Leiden. Obwohl wir nach Glück streben, können wir Leid in jeglicher Form nicht vermeiden. Ist menschliches Leid aber sinnlos? Und das Christentum eine Religion des Leidens?

Glauben hilft Leiden zu ertragen. Leid ist keine Strafe oder Rache. Das Kreuz des eigenen Lebens, sein Leid ertragen, ist unsere Aufgabe. Aber gleichermaßen auch einander in „Liebe“ annehmen, in Solidarität und Menschlichkeit begegnen und in Beziehungen treten; dies bis zum Tod, der uns, so die Hoffnung, Freiheit vom Leid bringt.

In Christus ist Gott ganz Mensch geworden, hat das menschliche Leid ertragen und uns gezeigt, dass wir Hoffnung auf die Auferstehung haben dürfen, weil auch Gottes Sohn gestorben ist, wie wir sterben; weil er begraben worden ist und weil er nicht im Tod geblieben ist. Tödliche Krankheiten und das „Sterben müssen“ stehen uns Mensch bevor und wir können nicht am irdischen Leben festhalten. Es gibt kein gutes Leben vorher, dass daran etwas ändert.

Ebenso kritisch ist die Überzeugung anzusehen, nur das gelten zu lassen, was bisher nach Rechtgläubigkeit als das einzig Wahre galt und alles andere zu verteufeln, was nicht dieser oder der eigenen Überzeugung oder festgelegten, normierten Ansprüchen genügt. Glaube im Sinne der Nachfolge Jesu ist nicht das Erfüllen und Befolgen von Regeln, obwohl dies verlockend ist, weil es Sicherheit verspricht.

Nein, gefragt ist hier aufrichtig und mit ganzem Herzen Jesus und seiner Botschaft zu folgen und in diesem Bemühen die Gottesbeziehung zu suchen. Glauben leben, lebbar zu machen.

Jeder Mensch kommt irgendwann an den Punkt, wo uns unser Versagen, unsere Schuld, Krankheiten und Leid einholen. Oft stellen wir uns dann die Frage unseres Lebens:

Nach dem Woher und Wohin, nach dem Geheimnis unserer Existenz und oft auch: wie stehe ich zu Gott, wie halte ich es mit Gott?

Wir haben dann die Chance, mit Gott in eine Beziehung zu treten und der Botschaft, die Jesus uns brachte, dem Evangelium, einen Platz in unseren Inneren zu geben, zu glauben und im Glauben zu wachsen, sowie diesen Glauben zu bezeugen.

Wenn Gott „die Liebe“ ist, dann ist, in jeder echten Liebe zwischen Menschen, Gott schlicht da.

Soweit ein paar Gedanken für unseren AUSTAUSCH…

Gedanken für unseren AUSTAUSCH zusammengestellt von Markus Lund


IN DER LIEBE AUFGEHOBEN
Wenn Gott dereinst mich nach dem Leben fragt,
werde ich weinen.
Er wird sein Angesicht mir zuwenden.
Kein scheidendes Wort wird über mich herfallen.
Keine Rechnung.
Kein strafender Blick.
Kein Vorwurf.
Er wird mich ansehen in bergendem Schweigen.
Seine Liebe wird brennen.
Und alle meine Wunden werden verglühen.
die erlittenden.
die zugefügten.
„Ich bin es gewesen, Herr.
all das bin ‚ich’ gewesen“
werde ich stottern mit zittriger Stimme,
beschämt und frei.
Ich werde abermals weinen.
Und Gott wird meine Tränen trocknen,
er wird sagen „Komm!“
und mich hineinbitten in sein Herz,
wo ich immer schon war
– und glaubte es nicht.  

aus R. Körner „Warum ich an das ewige Leben glaube“